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Die SZ über unser Boutique-Hotel:

Goethe-Apotheke wird zum Hotel

Das Haus auf der Goschwitzstraße wird komplett umgebaut. Aber etwas von der alten Einrichtung bleibt erhalten.

Von Carmen Schumann

 

Jörg Beutel (l.) und Enrico Paul vom IC Team stehen vor der früheren Goethe-Apotheke in der Goschwitzstraße. Bis zum Herbst lassen sie das Haus zum Hotel mit 35 Betten umbauen.

Jörg Beutel (l.) und Enrico Paul vom IC Team stehen vor der früheren Goethe-Apotheke in der Goschwitzstraße. Bis zum Herbst lassen sie das Haus zum Hotel mit 35 Betten umbauen.

© Carmen Schumann

Momentan ruhen die Arbeiten in der Goschwitzstraße 27. Doch ein Kran und die Gerüste verraten es: Hinter der Fassade der altehrwürdigen ehemaligen Goethe-Apotheke gehen Veränderungen vor sich. Allerdings verhindern die gegenwärtigen kalten Temperaturen, dass weitergebaut werden kann. „Sobald wir wieder Plusgrade haben, werden die Arbeiten wieder aufgenommen“, sagt Jörg Beutel, Geschäftsführer des Personaldienstleisters IC Team. Zusammen mit Enrico Paul hat er das Gebäude Ende 2015 von den Erben des Voreigentümers, des alteingesessenen Bautzener Apothekers Paul Leidler, erworben. Ziel ist es, hier ein Hotel einzurichten.

Decken werden angehoben

„Obwohl das Haus eine solide Grundsubstanz hat, hätte es ohne größere Sanierungsarbeiten nicht mehr vermietet werden können“, sagt Jörg Beutel. Nach dem Erwerb der Immobile durch das IC-Team-Management folgte erst einmal eine längere Planungsphase, in der es darum ging, sich über die konkrete Nutzung klar zu werden. Zu beachten waren außerdem die Anforderungen des Denkmalschutzes, der Statik und des Brandschutzes. Im Sommer lag dann die Baugenehmigung vor, und im Herbst konnte mit dem Entkernen der sehr kleinteiligen Wohnungen begonnen werden. Für die Nutzung als Hotel müssen natürlich die Räume völlig neu zugeschnitten werden. „Geplant ist, 14 Zimmer mit insgesamt 35 Betten zu schaffen“, sagt Jörg Beutel. Im Obergeschoss des Gebäudes, das einen L-förmigen Grundriss aufweist, sind die Decken zu niedrig für eine Hotel-Nutzung. Deshalb müssen sie angehoben werden. Dafür wurde in den Wochen vor dem Wintereinbruch die Baufreiheit geschaffen. Im Dezember wurde die Dachhaut entfernt und mit Folien verschlossen. Sobald das Wetter wieder besser ist, soll mit dem Erneuern des Dachstuhls begonnen werden. Der Dachausbau schafft die Voraussetzung dafür, dass alle Platzkapazitäten optimal ausgenutzt werden können.

Für die Idee, ein Hotel in Bautzen völlig neu zu schaffen, war ausschlaggebend, dass nach Ansicht von Jörg Beutel und Enrico Paul Individualurlauber in Bautzen zu wenig geeignete Übernachtungsmöglichkeiten finden. Vor allem für Paare mit Kindern sei es nicht immer einfach, ein Hotel mit Familienzimmern zu finden, sagen die Bauherren, die selbst Kinder haben. Deshalb wollen sie Appartements einrichten, in denen Eltern und ihre Sprösslinge gemeinsam wohnen können. Die Gestaltung der Zimmer werde ohnehin sehr individuell sein, jedes Zimmer widmet sich einem bestimmten Thema. Verwirklicht wird dabei das Konzept des „Boutique-Hotels“. Dieser Marketingbegriff kommt aus den USA und beschreibt persönlich geführte, individuelle, kleine Hotels, wie sie auch in Europa und Asien seit Anfang des Jahrhunderts immer häufiger anzutreffen sind.

Jörg Beutel und Enrico Paul denken auch an die vielen Menschen, die die Oberlausitz verlassen haben. Zu Feiern kämen dann die Generationen wieder zusammen. Das neue Hotel wäre ideal dazu geeignet, Familienfeiern auszurichten und gleichzeitig für die Übernachtung zu sorgen. Jörg Beutel und Enrico Paul ist klar, dass die Goethe-Apotheke, die aus der Schloss-Apotheke hervorgegangen ist, einen großen Bekanntheitsgrad in Bautzen hat. Die historische Einrichtung der Apotheke, die Paul Leidler all die Jahre liebevoll gepflegt und erhalten hatte, soll deshalb an ihrem Platz bleiben. Dort, wo seinerzeit Pillen und Salben über den Ladentisch gingen, wird demnächst Kaffee getrunken und Kuchen gegessen. Denn die Apotheke verwandelt sich in ein gemütliches Café. „In den hinteren Räumen der Apotheke wird ein Restaurant eingerichtet“, kündigt Jörg Beutel an.

Hotel-Chef steht schon bereit

Doch das ist noch nicht alles: Geschaffen werden drei weitere Veranstaltungsräume. Zum einen entsteht eine Live-Küche mit angeschlossenem kleinen Saal für 20 bis 25 Personen sowie ein weiterer Veranstaltungsraum für rund 45 Personen. Ein uriger Weinkeller soll Platz für 15 Personen bieten und für Verkostungen und private Feiern genutzt werden. Zum Gebäude gehört zudem ein recht großes Gartengelände, wo früher einmal eine Gärtnerei ansässig war. Dort wird ein Freisitz eingerichtet mit einem Spielplatz, wo sich die Kleinen gefahrlos tummeln können.

Geplant ist, dass das neue Hotel im vierten Quartal öffnet. Ein Hotel-Leiter ist bereits gefunden. Es ist ein Rückkehrer, der sich in den letzten Jahren im Ausland in der Gastronomie umgetan hat. „Wir würden gerne weitere Mitarbeiter einstellen, die eine ähnliche berufliche Laufbahn absolviert haben und eine anspruchsvolle Aufgabe in der Heimat suchen“, sagt Jörg Beutel. Gesucht werden Hotel- und Restaurantfachleute sowie Köche.